crowdsource #fail

Microsoft macht gerade etwas ganz gefährliches: Sie machen crowdsourcing falsch.

Offenbar kann man bei der automatischen Übersetzung mit „Microsoft Translator“ als Anwender/Leser Verbesserungsvorschläge einbringen. Grundsätzlich eine gute Idee, wenn man sich die Qualität von maschinenübersetzten Texten ansieht.

Das Problem dabei ist, dass die Vorschläge offenbar ungeprüft übernommen werden (vermutlich wenn sie mehrfach gemacht werden).

Ihr versteht mich nicht?
Anhand folgender Seite ist mir das Problem aufgefallen:
Auf http://support.microsoft.com/kb/2685088/de gibt es unter der Überschrift „Lösung“ zwei Hinweise. Bei einem davon ist ein link auf ein Kontaktformular. In der deutschen Übersetzung wird der Link aber als „sportschuetzengossau.ch“ angezeigt (nach dem laden eventuell ein paar Sekunden warten, die „verbesserte“ Übersetzung wird nicht gleich angezeigt). Der Link ist richtig, aber der angezeigte Text falsch.

Das Beispiel ist relativ harmlos, aber auf diese Weise könnte man beliebigen, auch gefährlichen Blödsinn, auf die Microsoft Seiten einbringen. Mit falsche Infos Leute in die irre führen, oder zu gefährlichem Verhalten auffordern, der Rat steht ja auf der offiziellen Microsoft Seite …

#appcasting

Die Vorgeschichte ist sicher vielen schmerzlich bekannt. Tweetdeck für Android wurde eingestellt, der freie Klon Tweakdeck wird nach Auslaufen des Twitter API 1.0 nicht auf die neuere API umgestellt. Damit stehe ich seit Ende letzter Woche ohne meiner Lieblings-Twitterapp da.
Die Frage nach empfohlenen Alternativen brachte zahlreiche Vorschläge, ebenso wie mein Stöbern im Google Store. Ein Vergleich der Features alleine ergab keinen Sieger. Also blieb nur ein #appcasting

Die Teilnehmer am #appcasting.

Die letzten Tage habe ich 8 Twitter Apps gleichzeitig, abwechselnd und wild durcheinander probiert. Da ich einige Features von Tweakdeck gerne wieder hätte, habe ich die Apps auch anhand der Features verglichen. Der zweite Teil der Bewertung ist sehr subjektiv. Ich hab ausprobiert, wie sich die Bedienung „anfühlt“. Ob ich sie intuitiv und praktisch finde, und auch wie der optische Eindruck ist.

Alle melden sich gleichzeitig.

Erwartungsgemäß sind die Unterschiede groß. Ach bei ähnlichen Features ist die Umsetzung und Bedienung doch oft sehr verschieden.

Für mich sind die wichtigen Features: mehr als einen Twitter Account verwenden, Listen und Suchergebnisse (hashtags) dauerhaft als Spalten anzeigen, „teilen“ eines Tweets (zum speichern in Evernote oder ähnlichem).
Nicht notwendig aber gewünscht ist die Möglichkeit einen (Re-)Tweet gleich auch auf Facebook zu posten (spart Zeit und ist bequemer als FB-Import via #fb hashtag) und eine komfortable Art Konversationen anzusehen.

Ein grundsätzlich sinnvolles Feature ist es, die Verbindung zu Twitter über SSL zu sichern. Besonders wenn man freie WLANs verwendet ist es sonst leicht für andere mitzulesen oder sogar die Session und den Account zu übernehmen.

Ich bevorzuge ein „aufgeräumtes“ und übersichtliches Design, was leider teilweise auf Kosten von Features geht. Optisch und von der Bedienung gefällt mir Tweedle am Besten, es kann nur leider nicht alles, was ich gerne hätte.

In der folgenden Tabelle hab ich die gecasteten Apps und Features zusammengefasst. Ein paar Spalten habe ich wieder gelöscht, weil sie keine zusätzliche Info bringen. Zum Beispiel ist Twicca die einzige App ohne multiuser support, und tweedle die einzige App ohne Share-Möglichkeit. Falcon Pro fiel gleich aus der Wertung, weil der in Foren beschriebenen Trick um das Benutzerlimit von Twitter zu umgehen, bei mir nicht funktioniert hat.

Die Möglichkeit sich alle gefavten tweets anzuzeigen ist für alle interessant, die favs als bookmark verwenden, für mich egal. Und wie umfangreich bzw. komplex Einstellungsmöglichkeiten und Kontextmenüs sind, ist Geschmackssache und sehr individuell in der Beurteilung.

app custom columns lists (columns) contextmenu ssl fb conversations search columns favs ads
tweakdeck
yes yes no no yes inline yes no no
tweetcaster
no only via menubutton complicated yes yes menu no yes splash screen
twicca no only via menu no no no menu no yes no
plume
yes, orderable yes inline + more yes yes inline yes yes banner
twitter
no no simple no no klick no no no
janetter yes yes, via profil inline + more no no menu yes no banner
tweedle
yes yes simple yes no klick yes yes no
übersocial
yes, fix yes, rightmost column
complicated
no yes klick yes no banner

Mein Fazit ist leider, dass keine App alles erfüllt, was ich gerne hätte. Also genaugenommen kann Plume alles, irgendwie gefällt mir aber das UI nicht und ich habe auch den Eindruck dass die App recht viel Ressourcen braucht.
Moralischer Sieger des Castings ist für mich Janetter. Ich komme mit dem UI am besten zurecht und die App kann das meiste, was ich brauche. Ich werde aber jedenfalls Plume auch behalten, falls ich ein öffentliches WLAN benutzen will und zum crossposten auf Facebook. Vielleicht entscheide ich mich auch noch für eine der beiden, bis dahin gibt es eine Finalrunde mit open end.

(Anmerkungen: Die Tabelle sieht grausam aus, da muß ich mir noch etwas einfallen lassen. Falls es jemanden interessiert, schreib ich noch ein paar Zeilen zu den Apps, die ich nicht explizit erwähnt hab.)

Blue Ribbon Campaign

Beim Suchen nach einer alten Mail bin ich auf eine Mail von mir aus dem Jahr 1997 gestoßen (sie steht am Ende dieses Beitrags). Der Inhalt ist unwichtig, aber meine damalige Mail-Signatur ist bemerkenswert. Den Institutsserver linus gibt es lange nicht mehr, genauso wie meine Uni-Adresse.

Aber die Blue Ribbon Kampagne des EFF gibt es noch, und ist noch genauso wichtig wie vor 16 Jahren. Damals ging es unter anderem um Exportbeschränkungen von Kryptographie. Heute um Meinungsfreiheit für Blogger und ihre Anerkennung als Journalisten mit den damit verbundenen gleichwertigen Rechten wie Zugang zu Daten und Veranstaltungen oder Quellenschutz.

Join the Blue Ribbon Online Free Speech Campaign
Join the Blue Ribbon Online Free Speech Campaign!

Meine Email-Signatur 1997:

       ///                  (mail/ask or finger for PGP public key)
       O O                                                   |
+-ooO--(_)--Ooo--------------------------------------------- | ---+
| When Privacy Is Outlawed, Only Outlaws Will Have Privacy!  |    |
| Protest governmental privacy restrictions! Use PGP!        |    |
|  .ooO       Info:  http://www.ro.com/pgp/                  |    |
|  (  ) Ooo.         http://www.eff.org/blueribbon.html      |    |
+---\(--(  )------------------------------------------------ | ---+
|    \)  )/   Christian.Wagner@jk.uni-linz.ac.at             |    |
|       (/    cw@linus.cast.uni-linz.ac.at               <---/    |
|             http://linus.cast.uni-linz.ac.at:80/st/students/cw/ |
+-----------------------------------------------------------------+

Retterin des Zivildiensts

„Bevor sich die ÖVP als Retterin des Zivildienstes aufspielt, soll sie zuerst jeden Zivildiener zwischen 1975 und 1992 um Verzeihung bitten wegen Rufschädigung als Drückeberger. Ich meine nicht pauschal, sondern jeder einzelne Zivildiener gehört angeschrieben mit der Bitte um Verzeihung!“

Kommentar auf der Rückseite eines (nicht deswegen, aber ungültigen) Stimmzettels.

Warum ich gegen die Wehrpflicht bin.

Viel wird derzeit darüber gejammert wie schlecht vorbereitet die Volksbefragung ist und warum sie überhaupt aus den falschen Gründen vom Zaun gebrochen wurde. Das stimmt schon, aber wie viele andere Menschen auch, kommt für mich Nichtwählen nicht in Frage. Ich musste mich daher entscheiden welche der Optionen ich besser finde. Die fehlende dritte Option, Abschaffung des Heeres, gibt es nicht.

Genau genommen kann sie gar nicht geben, da hätten sich die Regierungsparteien ja auch für „ihre“ Varianten ein Konzept überlegen und argumentieren müssen. Dazu hat Georg Prack mit „Ohne Konzept“ lesenswertes geschrieben.

Im folgenden möchte ich meine Überlegungen und Schlussfolgerungen zusammenfassen, vielleicht findet sie ja jemand hilfreich.

Es gibt gute Argumente für und gegen eine allgemeine Wehrpflicht (mehr traurig als lustig, dass man Argumente pro und contra Wehrpflicht von SPÖ und ÖVP gehört hat). Auch wenn davon nicht alle für die aktuelle Situation in Österreich zutreffen, möchte ich die wichtigsten doch kurz erwähnen.

Ein wichtiges Argument für eine Wehrpflicht ist die Abbildung der Bevölkerung im Heer. Damit nicht nur Kinder aus sozial benachteiligten Gruppen Soldaten werden (was zum Beispiel in den USA so zu sein scheint). Allerdings gibt es genug Möglichkeiten der Pflicht zu entgehen, sodass jemand, der es darauf anlegt, einen Weg finden wird, untauglich zu sein. Ich kann mich da gut an meine Stellung erinnern, bei der die sportlichsten Kollegen, oft aus „gutem Haus“, untauglich oder gerade noch tauglich waren, wegen diverser attestierter Sportverletzungen, die sie allerdings nicht am Sport hinderten.
Ein weiteres Argument ist, dass Wehrpflichtige weniger leicht auf Zivilisten schießen – also das klassische „1934“ Argument vor allem von „Linken“. Das Bürgerkriegsargument, dazu gehört auch, was ich kürzlich gelesen habe (sinngemäß): „Das beste Argument gegen ein Berufsheer sind die Leute die da freiwillig mitmachen würden.“, ist historisch begründet, spricht aber weniger für eine Wehrpflichtigenarmee, als für eine Abschaffung des Heeres.

Argument für ein Berufsheer ist die Professionalisierung mit der damit verbundenen Spezialisierung auf die zeitgemäßen Aufgaben bei UN-Friedensmissionen oder als Teil einer Europäischen Armee. Daran sieht man aber auch deutlich, dass niemand mehr ernsthaft eine militärische Bedrohung für Österreich sieht, vor der uns ein Heer schützen müsste. Terrorbekämpfung gehört da ausdrücklich nicht dazu, das ist Aufgabe von ziviler Polizei und Nachrichtendiensten. Einige tausend Spezialisten (und dazu gehören sicher keine Luftstreitkräfte) mögen eine Berechtigung haben, damit sich Österreich an internationalen Einsätzen beteiligen kann. Diese Spezialisten könnten aber genauso gut von Rotem Kreuz, Polizei oder anderen zivilen Organisationen kommen: Spezialisten für Wiederaufbau, Rettungshunde, Polizei-Ausbildner. Österreich kann sicher auch ohne Heer am internationalen diplomatischen Parkett mitspielen und an den guten Ruf der Vergangenheit anknüpfen.

Was man aber zur Zeit an Argumenten hört und liest ist eigentlich peinlich. Nicht nur mir.

Die Debatte wird gerade von der Volkspartei auf den Zivildienst und Katastrophenschutz reduziert. Das verwundert mich, da gerade bei der Volkspartei am Land ein Loblied auf die Freiwilligen Feuerwehren gesungen wird. Und dass zurecht! Viele Freiwillige machen hier regelmäßig genau den Katastropheneinsatz, für den angeblich das Heer so wichtig ist. Auf welch wackeligen Beinen dieses Argument steht, sieht man in dem amüsanten Versuch von Michael Spindelegger kürzlich in der Pressestunde, der zu folgendem Twitter-Thread mit dem ÖVP Pressesprecher Gerhard Loub führte:

Natürlich gibt es in Einzelfällen bei Katastrophen auch wichtige Heereseinsätze, etwa mit Hubschraubern (die werden aber auch jetzt von Profis geflogen und nicht von Wehrpflichtigen), oder beim Bau von Behelfsbrücken (das können sicher Profis auch).
Damit bin ich beim Punkt, der auch für den Zivildienst gilt: Aufgaben des Staates muss auch der Staat erfüllen. Ob es um Hilfe bei Lawinen und Hochwasser, Versorgung von Unfallopfern oder die Betreuung von Menschen mit Behinderung geht. Das kostet Geld, aber dafür zahlen wir alle Steuern. Zwangsarbeit ist keine angemessene Antwort auf Aufgabenstellungen deren Wichtigkeit eine angemessene Bezahlung erfordern würde. Ich sehe schon auch das Problem für die Sozial- und Rettungsorganisatonen, allerdings weniger die fehlende (billige) Arbeitskraft der Zivildiener, als vielmehr das Wegfallen eines wichtigen (des wichtigsten?) Rekrutierungsmechanismus. Ein relevanter Teil der Mitarbeiter und Ehrenamtlichen war vorher dort Zivildiener und hat so Organisation und Arbeit kennen- und schätzen gelernt. Polemisches Schüren von Ängsten vor Versorgungslücken sind aber kein taugliches Mittel in dieser Debatte.
Letztlich muss der Staat Geld in die Hand nehmen und seine Aufgaben selbst erfüllen oder zumindest selber finanzieren. Mit fairen Gehältern.

Zusammengefasst also:

Oder wie Robert Misik geschrieben hat: „Die Wehrpflicht gehört abgeschafft, Weil es für sie einfach keine ausreichenden guten Gründe gibt“.

Die Gründe warum die Grünen sich gegen die Wehrpflich aussprechen, hat Peter Pilz zusammengefasst.

Ich möchte noch auf zwei Artikel hinweisen. Zuerst „ich entlobe“, einer Abrechnung mit seinem Wehdienst von Benedikt Narodoslawsky. Und „Die Antwort ist nein“ von Herbert Geyer, der die kluge Frage stellt ob wir eine Wehrpflicht jetzt neu einführen würden. Diesen und weitere Artikel zum Thema hat Andreas Lindinger in seinem Blog zusammengefasst.