Weißwählen

Wer politische Debatten online oder offline verfolgt, wird fast unausweichlich Zeuge der sprichwörtlichen Verdrossenheit mit Politik und PolitikerInnen. „Des san eh ois Trottln“ oder sinngleiches hört man, in unterschiedlich höflicher Form, an Stammtischen und bei Bürokaffeemaschinen genauso wie man es in Zeitungs- und Onlinekommentaren nachlesen kann.

Stehen wie dieses Jahr Wahlen oder Abstimmungen bevor, kommt auch unausweichlich die Ankündigung angesichts der Alternativen gar nicht oder ungültig Wählen zu gehen. Meist ist diese Absicht verbunden mit der Hoffnung damit ein deutliches Zeichen der Unzufriedenheit zu setzen.

Menschen, die sich etwas intensiver mit Politik beschäftigen, erkennen meist noch, dass Protest-Nichtwähler sich statistisch nicht von Ist-mir-wurscht-Nichtwählern unterscheiden (lassen), und plädieren umso vehementer für „Weißwählen“ – und kommen sich nicht selten dabei rebellisch vor.
Aktuell zum Beispiel von Benedikt Narodoslawsky (dessen hervorragende Abrechnung mit seinem Wehrdienst „ich entlobe“ man nicht genug empfehlen kann), oder Anneliese Rohrer, die sehr treffend analysiert, welche Farce die Wehrpflichtabstimmung ist, daraus aber den Schluss zieht, mit ungültigen Wahlzetteln könnte man die Regierungsparteien blamieren.

Ich bin schon bei etlichen Wahlen als Wahlzeuge und Mitglied der Bezirkswahlbehörde bei Auszählungen dabei gewesen, und kann daher aus erster Hand berichten, was mit ungültigen Stimmen passiert.
Es gibt bei jeder Wahl Menschen, die auf dem Wahlzettel in wenigen Worten oder sehr wortreich erklären, wie wenig sie vom Angebot halten.
Die handvoll auszählenden Menschen finden das dann vielleicht lustig, am Ende der Zählung findet sich dieser Stimmzettel aber auf dem gleichen Stapel wie die durchgestrichenen, leeren oder schlicht falsch ausgefüllten Zetteln.
Genauso wie bei den oben erwähnten NichtwählerInnen kann man auch bei UngültigwählerInnen ihre Motive nicht erkennen. Ein kämpferischer Rebell ist nicht von einem Vollkoffer unterscheidbar, der zu blöd ist den Zettel richtig auszufüllen (ja, dass gibt es recht häufig).

Ungültig wählen ist kein Zeichen, sondern genauso ein Verzicht auf Mitsprache wie Zuhause bleiben.

Es gibt nur einen Grund dafür: Parteimitglieder ersparen sich blöd angeredet zu werden weil sie eh brav Wählen gehen.

2 Gedanken zu „Weißwählen

  1. Nein, das Kreuzerl ist eine Stimme für das/den/die Angekreuzte. Meine zugegeben etwas launischer Kommentar bezieht sich darauf, dass regelmäßig Menschen verkünden, sie wählen weiß um damit ein Zeichen zu setzen oder wie Anneliese Rohrer „die Regierung zu blamieren“. Und genau dass funktioniert nicht. Ein leerer Zettel wird nicht als rebellisch wahrgenommen sondern gar nicht. Vielleicht würde ein sehr hoher, sagen wir mal mindestens zweistelliger, Anteil an ungültigen Stimmen Aufmerksamkeit erregen. Aber ich bin selbst da skeptisch, alleine schon weil es wie ausgeführt keine eindeutige Willenskundgebung ist.
    Ich find da beispielsweise die in den Kommentaren zu deinem Artikel erwähnte Petition für Abschaffung des Heeres sinnvoller. Leider bisher mit recht wenigen Unterstützerinnen, aber das ist eine eindeutige Positionierung.
    Ich habe dort übrigens auch schon länger unterschrieben, und würde mich freuen, wenn das noch viele machen:
    Petition zur Abschaffung des Bundesheeres und aktive Friedenspolitik:
    http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXIV/BI/BI_00053/index.shtml

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.