Trollokratie

Es wird viel darüber geschrieben und gesprochen das die „heutige Zeit“ so viel schnelllebiger wäre als früher, das die Aufmerksamkeitsspanne der meisten Menschen furchtbar kurz wäre und man daher Botschaften in kleinen Häppchen und einfacher Sprache präsentieren müsste.

Die Erfolge der Rechtspopulisten, die in wechselnder Besetzung und mit wechselnden Namen, seit den späten 80er Jahren die beiden vormals Großparteien vor sich hertreiben, scheinen das zu bestätigen.

Auch wenn diese Annahme meiner Einschätzung nach nicht völlig falsch ist, so halte ich doch etwas anderes für wichtiger. Die Menschen erwarten von der Politik Antworten. Diese Antworten müssen nicht zwingend in einem einfachen Satz Platz haben, auch wenn eine knappe Formulierung meist der Verständlichkeit dient. Wichtiger als kurz zu sein ist es aber, zu Vermitteln dass es eine Idee, eine Vision gibt wo der Weg hingehen soll.

Ich halte das ewige herumeiern und sich nicht festlegen wollen für den wichtigsten Grund der berühmten Politik(er)verdrossenheit. Im Bestreben zu gefallen, niemanden zu vergraulen und bei der nächsten Sonntagsfrage bloß kein Zehntelprozent einzubüßen werden Aussagen beliebig und Positionen schwammig und austauschbar.

Klare Standpunkte, gerne auch kontroversielle, würden einen Wettbewerb der Ideen fördern und Parteien dazu motivieren gute Modelle zu entwickeln und (ganz wichtig!) zu argumentieren.

In Abwesenheit von Ideologischen Standpunkten gewinnen nur die größten Aufreger die Aufmerksamkeit von Publikum und JournalistInnen. Wer am besten trollt ist der Star und der coole Hecht im Teich vor dem sich alle fürchten. Kein Wunder also, dass in dieser Trollokratie Provokateure wie Haider, Strache oder Stronach das Maß der Dinge sind (was politischen Erfolg und politische Kommunikation angeht).

Die Zukunft des Verkehrs?

Viel wird derzeit gerade in den Gemeinden zwischen Linz, Pregarten und Mauthausen über die Zukunft des Verkehrs gesprochen.
Zwei Großprojekte, die Engerwitzdorf unmittelbar betreffen sind in einer frühen Untersuchungsphase. Es gibt einige Gemeinsamkeiten zwischen der Regiotram und der Ostumfahrung. Es sind die selben Abteilungen der Landesregierung damit befasst, es gibt einen ähnlich langfristigen Planungszeitraum und die Planungsphasen folgen dem selben Schema.

Bei genauerer Betrachtung überwiegen aber die Unterschiede. Die Idee hinter der Ostumfahrung scheint unverändert dem verkehrspolitischen Stand der 1960er Jahren entsprungen zu sein: mehr Straßen bedeuteten damals automatisch mehr Wohlstand und mehr Wirtschaftsleistung.
Dagegen liegt der Regiotram eine gänzlich andere Idee zugrunde: Menschen sollen die Möglichkeit haben, bequem, günstig und umweltfreundlich zur Arbeit, zum Einkaufen oder in den Nachbarort zu kommen. Auch wenn es Pläne für eine Schienenverbindung in der Region schon viele Jahrzehnte gibt, ist dieser Weg, den Pendlern eine Alternative zum Stau anzubieten nicht altmodisch sondern zukunftsorientiert. Seit Jahren wissen wir, dass fossiler Treibstoff immer knapper und damit teurer wird. Um die Mobilität aller Menschen langfristig sicherzustellen, wird es nicht reichen nur auf Autos zu setzen.

Eine Schienenverbindung von Linz über Treffling, Schweinbach und Gallneukirchen nach Pregarten würde der ganzen Region sowohl als Wohn- als auch als Wirtschaftsstandort zusätzliche Attraktivität verleihen. Eine weitere Autobahn würde eine laute und stinkende Schneise durch die Landschaft schlagen, vor der sich das Leben durch Wände schützen müsste und die große Bereiche weniger lebenswert machen würde.

Mit dem Bau zusätzlicher hochrangiger Straßen werden die Augen vor dem sich deutlich abzeichnenden Umbruch der individuellen Mobilität verschlossen. Die aktuellsten Verkehrszählungen (Die Grafik und die verwendeten Zahlen sind aus den Unterlagen der 1. Regionskonferenz, die auf der Webseite des Landes OÖ veröffentlicht sind. Eine Zusammenfassung ist in dem PDF ab Seite 37) zeigen ganz deutlich, dass der Verkehr von und nach Linz fast ausschließlich sogenannter Ziel- und Quellverkehr ist. Also zum Beispiel Pendler- oder Warenverkehr, der nach Linz will oder von dort kommt. Nur ein kleiner Teil ist tatsächlich Transitverkehr, und davon wiederum fährt nur ein sehr geringer Teil südlich von Linz Richtung Osten weiter. Es würden also nur wenige Verkehrsteilnehmer von einer Ostumfahrung profitieren.

Nur ein kleiner Teil des Verkehrs auf der A7 fährt durch Linz zur A1 weiter.

Anstatt aber darüber nachzudenken, ob das nicht ein sehr teurer Schildbürgerstreich wird, und ob man mit dem Geld nicht die Verkehrssituation in Linz und Umgebung wirklich verbessern könnte, wird stur Geld in Prestigeprojekte wie „Westring“ oder Ostumfahrung gesteckt.

Wenn sich Politiker mit Straßengroßprojekten ein Denkmal setzen wollen, könnte das am Ende zu einem Denkmal ihrer Kurzsichtigkeit werden.

(Dieser Kommentar ist auch in Brennessel 4/2012 der Grünen Engerwitzdorf erschienen)